Ds Nieseliecht

Heute wird's echt schweizerisch.

Ich stelle dir nämlich das Buch "Ds Nieseliecht" von Christian Bärtschi vor.
Dieses Buch ist in adelbodendeutsch geschrieben.
(Adelboden liegt im Berner Oberland (Jaaa, da wo ds Voglelisi här chunnt..), das heisst, geschrieben ist es in einem sehr breiten und eigenen Berner Dialekt).

Bevor ich über das Buch selber erzähle, musst du dir vorstellen, dass du dich in einer Berghütte auf einem Sofa mit Kuschelfell befindest, draussen ist alles toll verschneit, ein senationell sonniger Skitag liegt hinter dir.
Bereit? Und nun geht's los.


Ds Nieseliecht

Erläbts un Ersinnets us em Frutigtal
(Der Autor übersetzt dies selber so: Selbsterlebtes und Selbsterfahrenes aus dem Frutigtal)





Christian Bärtschi schreibt von seiner Kindheit als Bärgpurebueb (Bergbauernbub) in Adelboden. Wie er in geografischer und religiöser Enge aufgewachsen ist. Adelboden ist von allen Seiten her von grossen Bergen umgeben.

Mit feinem Gespür und immer einer Prise Humor sind die kleinen Episoden unterhaltsam zu lesen.
Wobei ich grad einschieben muss, dass das mit dem Dialektlesen auch für mich eine kleine Herausforderung war, musste ich doch etwas gemächlicher durch die Zeilen lesen.

Und bevor ich eine Leseprobe gebe, noch diese Anmerkung: Eine eigentliche Rechtschreibung gibt es nicht.

Bsunders churzwiligs isches gsy, we d Ferielüt oppa og Chind gha hii... Mi het sig gägesyttig beschnupperet, usgfragt u villicht sogar Fründschaft gschlosse.
(Besonders kurzweilig war es, wenn die Feriengäste auch Kinder gehabt haben... Man hat sich gegenseitig beschnuppert, ausgefragt und vielleicht Freundschaften geschlossen)

Eines dieser Ferienkinder war Monika, zu der sich der Autor besonders hingezogen fühlte. Sie lernte dem Bergbuben das Flötespielen und es tat sich ihm die Welt der Musik auf.

U we de albe der Aabe ischt choe, de isch wyt ussna im Taal ds Nieseliecht aaggange. De si wer iifach still näbenandere gsässe u hii i d Nacht usiggugget. Äs het mi dducht, öppis Schönders chöntis nät me gää...
(Und wenn es Abend wurde, so ging weit aussen im Tal das Niesenlicht an. Dann sind wir einfach still nebeneinander gesessen und haben in die Nacht rausgeschaut. Es dünkte mich, etwas Schöneres könnte es nicht mehr geben...)

Chrischte erzählt von seiner Reise ins Welschland, wo er Französisch lernen durfte, wo er aber auch das erste Mal ein Kino besuchte. Ein einschneidendes Erlebnis. Sein Weg aus den Bergen hinein in die "grosse" Welt in Bern ist sehr unterhaltsam.

Sein Heimatdorf Adelboden beschreibt er so:

Adelboden ischt a wytlüüfegi Gmiind. Mi het gsiit, mi chönti üüsi Gmiind mit de fööf Finger var offene Hand verglyhe. Der Ddume wee ds Bunderletääli, der Ziigfinger der Bode, der Mittelfinger u der Ringfinger der Gilbach u der Stigelschwand u der chly Finger schliesslig ds Tschentetäli.
(Adelboden ist eine weitläufige Gemeinde. Man sagte, man könnte unsere Gemeinde mit den fünf Fingern der offenen Hand vergleichen. Der Daumen sei das Bundertal, der Zeigfinger den Boden, der Mittelfinger und der Ringfinger der Gilbach und der Stigelschwand und der kleine Finger schliesslich das Tschentetal.)




Und nun sei auch noch verraten, weshalb mir das Büchlein besonders gefallen hat.
Das Sofa mit dem Kuschelfell vom Anfang, - du erinnerst dich? - steht in Adelboden. Ich habe die Geschichte also quasi vor Ort gelesen. Und da ich schon seit meiner frühsten Kindheit meine Freizeit dort oben verbringen durfte, wusste ich meist ziemlich genau, wo sich die Geschichte grad abspielte. Ein besonderer Genuss also für mich.

Vielleicht auch für dich?

Ig wünsche dir e gäbigi Wuche!
(Ich wünsche dir eine schöne und stressfreie Woche)












Christian Bärtschi
Ds Nieseliecht
ISBN 978-3-9520760-8-8

verlinkt: Niwibo, Buch des Monats



Kommentare

  1. Oh je Simone,
    das Dialekt ist nicht gerade einfach. Wenn ich langsam und laut lese, bekomme ich eine kleine Ahnung, was es heißen könnte.
    Aber das Buch hört sich interessant an und auf einer Skihütte im dicken Schnee zu lesen, ist bestimmt entspannend.
    Hier schneit es heute auch, aber mehr Schneeregen, ganz schön ekelig.
    Dir wünsche ich einen schönen Montag und danke für den tollen Vorschlag,
    Liebe Grüße
    Nicole

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  2. Ich liebe diesen Dialekt. Wir haben viele Jahre die Skiferien in Adelboden verbracht mit unseren Kindern. Eine wunderbare Gegend. Was ich noch nicht gesehen habe dort, der Bergfrühling. Aber was nicht ist kann bekanntlich noch werden .
    LG Marianne

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  3. Hoi Simone, ich ha eigentlich no din ander Post vo höt wölle läse, aber de tuet echli schwerig ond wot sech ned zeige. Merci för d'Buechvorstellig.
    Härzlechi Grüess
    Verena

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Merci viel Mal für deine Zeilen.

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